Eine schnelle und günstige Scheidung ist kein Widerspruch – wenn Sie einige Grundregeln beachten. Als Fachanwältin für Familienrecht zeige ich Ihnen die wichtigsten Hebel, um Zeit und Geld zu sparen.
1. Einvernehmliche Scheidung wählen
Der mit Abstand wirksamste Hebel für eine schnelle und günstige Scheidung ist die Einvernehmlichkeit. Wenn beide Ehegatten der Scheidung zustimmen und sich über alle Folgesachen einigen, wird unwiderlegbar vermutet, dass die Ehe gescheitert ist (§ 1566 Abs. 1 BGB). Das spart Zeit, weil keine streitigen Verhandlungen geführt werden müssen, und Geld, weil nur ein Anwalt benötigt wird.
2. Nur einen Anwalt beauftragen
Bei einer einvernehmlichen Scheidung genügt ein einziger Rechtsanwalt für den antragstellenden Ehegatten (§ 114 Abs. 1 FamFG). Der andere Ehegatte stimmt dem Antrag ohne eigenen Anwalt zu. Dadurch sparen Sie die gesamten Anwaltskosten einer zweiten Vertretung – bei einem Verfahrenswert von 12.000 € sind das rund 1.500 € Ersparnis.
3. Verfahrenswert reduzieren lassen
Der Verfahrenswert bestimmt die Höhe aller Gebühren. Er berechnet sich aus dem dreifachen Nettoeinkommen beider Ehegatten (§ 43 Abs. 1 FamGKG). Bei einer einvernehmlichen Scheidung kann das Gericht den Verfahrenswert auf Antrag um bis zu 30 % reduzieren. Wir stellen diesen Antrag bei jeder einvernehmlichen Scheidung.
4. Folgesachen außergerichtlich regeln
Jede Folgesache, die vor Gericht verhandelt wird – Unterhalt (§§ 1569 ff. BGB), Zugewinnausgleich (§§ 1373 ff. BGB), Sorgerecht (§§ 1626 ff. BGB) –, erhöht den Verfahrenswert und damit die Kosten erheblich. Regeln Sie alle Punkte vorab in einer Scheidungsfolgenvereinbarung. Nur der Versorgungsausgleich wird vom Gericht von Amts wegen durchgeführt (§ 1 VersAusglG).
5. Versorgungsausgleich beschleunigen
Der Versorgungsausgleich ist oft der zeitintensivste Teil des Verfahrens: Die Rentenversicherungsträger benötigen 3–6 Monate für ihre Auskünfte. Beschleunigen Sie den Prozess, indem Sie frühzeitig – noch im Trennungsjahr – Ihre Rentenkonten klären lassen (Formular V0100 bei der Deutschen Rentenversicherung). Bei Ehen unter drei Jahren entfällt der Versorgungsausgleich, sofern kein Ehegatte ihn beantragt (§ 3 Abs. 3 VersAusglG).
6. Online-Scheidung nutzen
Bei einer Online-Scheidung erfolgt die gesamte Kommunikation zwischen Mandant und Anwalt digital – per E-Mail, Telefon oder Videokonferenz. Das spart Anfahrtswege und ermöglicht eine schnellere Bearbeitung. Der Scheidungsantrag wird elektronisch über das besondere Anwaltspostfach (beA) eingereicht – in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Auftragserteilung.
7. Verfahrenskostenhilfe prüfen
Wenn Sie die Scheidungskosten nicht aufbringen können, haben Sie möglicherweise Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe (§§ 76 ff. FamFG i.V.m. §§ 114 ff. ZPO). Bei Bewilligung übernimmt die Staatskasse die gesamten Gerichts- und Anwaltskosten. Alternativ besteht ein Anspruch auf Verfahrenskostenvorschuss gegen den Ehegatten (§ 1360a Abs. 4 BGB).
✓ Einvernehmliche Scheidung mit nur einem Anwalt
✓ Alle Folgesachen vorab regeln
✓ Verfahrenswert um 30 % reduzieren lassen
✓ Rentenkonten frühzeitig klären
✓ Online-Scheidung für schnelle Bearbeitung
✓ VKH prüfen bei geringem Einkommen
Fazit von Fachanwältin Antje Kaschube
Eine schnelle und günstige Scheidung ist in den meisten Fällen möglich – vorausgesetzt, Sie handeln einvernehmlich und lassen sich frühzeitig beraten. Nutzen Sie unsere kostenfreie Ersteinschätzung, um Ihre individuellen Kosten und den voraussichtlichen Zeitrahmen zu erfahren.
Rechtsquellen
- § 1565 BGB – Scheitern der Ehe
- § 1566 Abs. 1 BGB – Vermutung bei einvernehmlicher Scheidung
- § 114 Abs. 1 FamFG – Anwaltszwang
- § 43 FamGKG – Verfahrenswert in Ehesachen
- § 3 Abs. 3 VersAusglG – Kurzehen
- §§ 76 ff. FamFG, §§ 114 ff. ZPO – Verfahrenskostenhilfe
- § 1360a Abs. 4 BGB – Verfahrenskostenvorschuss
© 2026 Antje Kaschube – Fachanwältin für Familienrecht | Ehe-Scheidung-Online.de
Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
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